Abschied nehmen von meiner geliebten Fellnase, als sie die Reise über die Regenbogenbrücke antrat

Kira

Wie schmerzhaft und traurig Abschied nehmen ist, musste ich vor ein paar Wochen selbst erleben. Neun Jahre lebte unser Engelchen Kira, eine wunderschöne Golden-Retriever-Dame, in unserer Familie. Wir liebten dieses wundervolle Wesen bis in jede Faser.

Unser alltägliches Morgenritual: Schmusen und kuscheln, was das Zeug hielt. Wind und Wetter konnten uns nicht von unseren täglichen Spaziergängen abhalten. Kira besaß die Magie,Kira Menschen, die normalerweise mit Hunden nicht wirklich viel anfangen konnten, in ihr Herz zu schließen.

Mir fiel in letzter Zeit immer öfter auf, dass sie noch spät am Abend hinaus in den Garten drängte, was in den Wintermonaten eher untypisch für sie war. Gewöhnlich lag sie lieber vor dem Kira wärmenden Kachelofen, meist in Rückenlage und alle Viere von sich streckend.

Ihr Drang nach draußen nahm zu. Als sie begann, auch nachts Signale zu setzen, um in den Garten zu kommen, wurde ich skeptisch und vereinbarte mit der Tierklinik einen Termin. Dort erfolgte die Diagnose Herzschwäche, woraufhin ein Herzpräparat verordnet wurde. Als ein Gedanke aufflammt, wir müssten Abschied nehmen, verwarf ich ihn auf der Stelle.

Eine Woche später vereinbarte ich einen weiteren Termin, da ich kein gutes Gefühl hatte. Danach brach in mir eine Welt zusammen. Diagnose: geplatzter Milztumor, Bauchraum mit Blut gefüllt. OP wegen starker Herzschwäche und zu viel Blutverlust ein zu hohes Risiko. Laut Röntgenbild eventuelle Metastasen. Abschied nehmen, schoss es mir dumpf durch den Magen.

Mir war schlecht, die Tränen rannen ungeniert über mein Gesicht. Mein Engelchen stand neben mir und schaute mich mit  durchdringenden und wunderschönen braunen Augen an. „Lieber Gott,Kira was passiert hier gerade?“ Ich glaubte, mein Herz würde zerreißen. Es darf doch bitte nicht wahr sein, dass ich von meiner Fellnase Abschied nehmen muss, flehte ich in Gedanken.

Mit einem Schlag war alles anders. Ich musste eine Entscheidung treffen und Abschied nehmen von „jemandem“ den ich innig liebte. Der Tierarzt meinte, ich solle sie noch einmal mit nach Hause nehmen, damit sie von allen Familienmitgliedern Abschied nehmen könne.

Den Weg legte ich wie in Trance zurück, meine Augen waren regelrecht überschwemmt von Tränen. Ich kann mich überhaupt nicht mehr genau erinnern, wie ich es von der Klinik bis nach Hause schaffte. Als ich ankam, waren alle völlig aufgelöst und traurig, nachdem ich ihnen die Hiobsbotschaft vom Abschied nehmen überbracht hatte.

Der letzte Abend mit unserem Engelchen. Unsere Liebe und Fürsorge stand im Mittelpunkt. Gefühlte einhundert Mal ließen wir sie in den Garten hinaus und wieder zu uns herein. Nichts war Kira uns zu viel. Am nächsten Morgen der letzte Spaziergang in Begleitung ihrer neuen Herzensfreundin Frida, einem sechs Monate alten Katzenmädchen, welches bei uns im Haus, in der Wohnung unseres Sohnes und seiner Freundin, eingezogen ist.

Alle Zeichen standen schon auf Abschied nehmen. Unsere Kira war nach dem kurzen Spaziergang, der hauptsächlich der Entleerung von Blase und Darm diente, müde und rührte ihr Futter nicht mehr an. Das einzige, was sie an diesem Tag noch mit Genuss verschlang, waren kleine Butterflöckchen, Schinkenstreifen und Käsewürfelchen, die sie bislang nur sehr selten bekommen hatte.

Dieser Tag war ihr allein gewidmet, und mich interessierten keine Regeln, was ein Hund fressen darf und was nicht. Ich legte mich zu ihr auf den Boden und streichelte zärtlich über ihr weiches Fell. Mit weinerlicher Stimme versprach ich ihr: „Heute darfst du gehen, mein Engel!“ Mein Entschluss stand fest, und vom Abschied nehmen gab es kein Zurück mehr.

Ich erkannte, was sie uns zu verstehen gab mit ihrem permanenten Drängen in den Garten, dem sehnsüchtigen Blick in die Ferne und den müden Augen, die allerdings nichts von ihrer KiraTreuherzigkeit verloren hatten. Hier ging es nicht um mein oder unser Ego, das vor lauter Schmerz nicht loslassen kann, weil es nicht akzeptieren will, dass die geliebte Fellnase einem den Tag nicht mehr bereichert.

In erster Linie ging es darum, das Beste für das geliebte Tier zu tun. Das Abschied nehmen kam näher. Der Schmerz saß wie ein Stachel mitten im Herzen. Ein letztes Mal kuschelte ich mich an die zuckersüße Nase und gab ihr die letzten Streicheleinheiten, bevor sie auf die Reise über die Regenbogenbrücke gehen würde.

Zwei Stimmen stritten in meinem Herzen, eine voller Trauer und Selbstmitleid, die andere voller Mitgefühl. Eine Woche, nachdem Abschiednehmen von Kira, war mein Geburtstag, den ich nicht feierte, sondern gemeinsam mit meinem Mann in der Therme verbrachte. Ich lag mit geschlossenen Augen auf einer der unzähligen Blubberliegen und träumte vor mich hin.

Wie aus dem Nichts erschien auf einmal ein Bild vor meinem geistigen Auge: eine saftig grüne Wiese und ganz im Vordergrund unser Engelchen, umgeben von unzähligen anderen Fellnasen.Kira Sie sah völlig gesund und lebendig aus. Die Signale, die sie aussandte, verwandelten sich für mich in Worte. Diese klangen wie: „Danke, dass du mich befreit hast! Mir geht es sehr gut in meiner neuen Heimat.“

Mein Herz quoll über vor Freude, und ein Gefühl der Glückseligkeit durchströmte mich. Es war ein zeitloser Moment, in dem ich meinem Engelchen sehr nahe war. Kira fegte wie ein Blitz über die Wiese und animierte andere Artgenossen, sich ihrem Spiel anzuschließen.

Dann trat sie noch einmal ganz nahe an mich heran, leckte meine Wange ab und wollte spürbar sagen: „Ich bin immer bei dir, auch wenn du mich im Moment nicht sehen kannst.“ Dabei schien sie mir zuzuzwinkern, sprang schließlich davon und verschwand in der Fellnasenmenge.

Dieser Geburtstag wird mir ewig in Erinnerung bleiben, denn Mitgefühl und Erleichterung nahmen wieder den ersten Platz in meinem Herzen ein. In mir verankerte sich das Gefühl, Kira sei in meiner Nähe, sobald ich an sie dachte.

Während ich diesen Artikel schreibe, tollt sie wahrscheinlich gerade umher oder liegt rücklings an einem Hang und nutzt diesen als Rutsche; so etwas hatte sie zu Erdzeiten sehr gern getan. Auf KiraWiedersehen, mein Engelchen, und genieße deine Freiheit!

Wenn du einmal Abschied nehmen musst von deinem geliebten Haustier, wünsche ich dir von ganzem Herzen diese Leichtigkeit um deinen Engel loslassen zu können.

 

 

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